Vom Mittelalter zur Neuzeit:
Die Grafen von Leiningen

bis 1802

Mitglieder der Grafenfamilie von Leiningen gelangten schnell in hohe Ämter und Würden, was neben günstigen Heiratsverbindungen zu einem raschen Zuwachs von Besitzungen und Rechten führte. Die Vorfahren des Fürstenhauses zu Leiningen befanden sich in der Gefolgschaft Karls des Großen bei seinen Sachsenkriegen und übten im Worm- und Nahegau an der Seite der Ottonen- und Salierkaiser sowie im Umfeld der Erzbischöfe von Mainz wichtige Funktionen aus. 1205 wurde Graf Friedrich I. Emich von König Philipp von Schwaben mit der Vogtei über die bei Bad Dürkheim gelegene Benediktinerabtei Limburg betraut und begann mit dem Bau der Hardenburg. Nachdem das erste Haus Leiningen 1220 in männlicher Nachfolge ausgestorben war, setzte der Sohn Graf Simons II. von Saarbrücken und der Leiningerin Liutgard als Graf Friedrich II. von Leiningen die Familie fort. Vermutlich dieser Graf Friedrich wird in der Manessischen Liederhandschrift als kämpfender Ritter und Minnesänger abgebildet. Eine nach der Reichsburg Landeck benannte Seitenlinie Leiningen-Landeck existierte zwar nur von 1257 bis 1290, sorgte aber vor 1268 durch Graf Emich IV. für die Gründung der Stadt Landau. Einen gravierenden Einschnitt bedeutete die innerfamiliäre Besitzteilung von 1317: Friedrich V. führte die ältere Linie weiter und benannte sie zusätzlich nach der 1228 durch Heirat in Leiningenschen Besitz gekommenen vogesischen Grafschaft Dagsburg. Dagegen begründete Graf Jofried die neue, jüngere Linie, die sich mit Leiningen-Hardenburg betitelte. Eine prachtvolle Bilderhandschrift, die anlässlich des Romzuges Heinrichs VII. 1312 angelegt wurde, zeigt Jofried mit Topfhelm, Schwert und Wappenschild (drei Adler auf dunklem Grund). Die ältere Linie Leiningen-Dagsburg bestand für 250 Jahre bis zum Tod Hessos von Leiningen 1467 und fiel mangels männlicher Nachkommen an den Ehemann seiner Schwester Margarethe, Reinhard III. von Westerburg.

Die jüngere Linie Leiningen-Hardenburg begründete um 1330 weitere Seitenzweige unter den Grafen Fritzmann (um 1330 Leiningen-Rixingen) und unter Hesso (nach 1500 Leiningen-Apremont). Die 1467 nach dem Aussterben der älteren Linie rückgefallene Grafschaft Dagsburg hatte nach einer erneuten Teilung 1560 die Aufspaltung in die beiden Linien Leiningen-Dagsburg-Hardenburg und Leiningen-Dagsburg-Falkenburg zur Folge. Von den zahlreichen Residenzorten und -schlössern (Heidesheim, Guntersblum, Emichsburg) kam der im 16. Jahrhundert mit gewaltigen Befestigungen ausgebauten Hardenburg lange Zeit die größte Bedeutung zu. Erst 1725 wurde die Residenz von dort nach Bad Dürkheim verlagert, wo mit dem Bau eines weiträumigen Schlosses mit Marstall, Kaserne, Theater und Lustgarten begonnen worden war.

Vom 19. Jahrhundert in die Gegenwart:
Die Fürsten von Leiningen

ab 1803

1779 wurde Graf Karl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg in den Reichsfürstenstand erhoben. Dem neuen Fürstentum Leiningen mit Sitz in Bad Dürkheim sollte nur eine kurze Existenz beschieden sein: Schon 1794 fielen im Verlauf der Revolutionskriege französische Truppen in die Pfalz ein und zerstörten das Dürkheimer Schloss völlig.

Die zur Flucht gezwungenen Fürsten von Leiningen wurden 1803 für ihre linksrheinischen Güter entschädigt. Die zugesprochenen Territorien wurden in Besitz genommen, und man ging sofort daran, die Verwaltungseinrichtungen der ehemaligen Kurfürstentümer Pfalz und Mainz und des Bistums Würzburg neu zu organisieren. Erfolgreich war besonders die Neuordnung der oberen Verwaltungs-, Forst- und Justizbehörden, während die unteren Ebenen zunächst in der überkommenen Form weiterbestanden. Die hierzu 1805 begonnenen Reformen kamen nicht mehr zur Ausführung, denn der am 12. Juli 1806 zwischen Frankreich und 16 deutschen Fürsten geschlossene Rheinbund brachte mit der Rheinbundakte auch für das Fürstentum Leiningen das Ende der Souveränität, und zwar zugunsten des Großherzogtums Baden, dem gemäß Art. 26 RBA sämtliche Souveränitätsrechte zufielen. Eine staatsrechtliche Änderung gab es, als Baden aufgrund des Staatsvertrages vom 8. September 1810 die ehemaligen Leiningenschen Ämter Amorbach und Miltenberg an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt abtrat. Im Jahre 1816 gingen diese Ämter mit Ausnahme einiger Ortschaften, die bei Hessen verblieben, an Bayern.

Das ehemalige Fürstentum war jetzt lediglich Standesherrschaft, der jedoch bis 1848 die Ausübung von Justiz- und Polizeigewalt oblag. Das Fürstenhaus engagierte sich jedoch weiterhin im Schul- und Erziehungswesen, im Straßen- und Wegebau, bei der Verbesserung der kommunalen Infrastruktur. Auch Queen Victoria, die Halbschwester des Fürsten Karl zu Leiningen, der 1848 erster Präsident des Paulskirchen-Kabinetts war, unterstützte die karitativen Anstrengungen des Fürstenhauses mit namhaften Stiftungen.

Das Fürstenhaus ist neben seinen unternehmerischen Aktivitäten bis heute in vielen sozialen und öffentlichen Bereichen tätig und kümmert sich um ein vielfältiges Kunst-, Kultur- und Musikangebot in seiner Heimatstadt. Mit Leidenschaft sorgt das Fürstenhaus zu Leiningen für die Bewahrung und Erhaltung ihres kulturellen Erbes und ist Förderer des Tourismus und anderer Einrichtungen.

Das Haus Leiningen verfolgt seit jeher eine Unternehmensphilosophie, die auf langfristigem Denken und Handeln basiert, und orientiert sich an Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung sowie an ethischen Standards.